Interview:
New Work - Führung in der hybriden Arbeitswelt

Viele Menschen haben während der Covid-19-Pandemie das Homeoffice schätzen gelernt. Gleichzeitig holen einige große Unternehmen ihre Teams wieder verstärkt ins Büro zurück. Was zeigt Ihre Erfahrung – was funktioniert wirklich?
Ob Remote Work, Homeoffice oder Büropräsenz am besten funktioniert, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Studie von Prof. Dr. Sven Laumer (FAU Erlangen-Nürnberg) nennt drei relevante Dimensionen: geografisch, zeitlich und kulturell. Besonders wichtig ist der kulturelle Faktor. Je heterogener ein Team, desto hilfreicher sind persönliche Offlinekontakte, um Missverständnisse zu vermeiden und Vertrauen aufzubauen. Gut eingespielte, homogene Teams können dagegen sehr effizient dezentral arbeiten.
Wann sind persönliche Begegnungen besonders wichtig?
Vor allem neue Teams, neue Projekte und Onboardings profitieren stark von Präsenz. Persönliche Treffen erleichtern das Vermitteln kultureller Werte, stärken Beziehungen und unterstützen den Wissensaustausch. Auch für Projektstarts gilt: Ein Kick-off vor Ort schafft Klarheit über Rollen, Ziele und Vorgehen. Danach kann das Team effizient hybrid weiterarbeiten – vorausgesetzt, der Rahmen ist klar gesteckt.
New Work basiert auf einer neuen Form von Führung. Vor welchen Herausforderungen stehen Führungskräfte heute?
New Work stellt Vertrauen, Eigenverantwortung und Anpassungsfähigkeit in den Mittelpunkt. Führungskräfte müssen individuelle Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigen und zugleich Unternehmensziele im Blick behalten. Wichtige Erfolgsfaktoren sind:
Vertrauen & Verantwortung: Führungskräfte müssen Raum für eigenständiges Arbeiten geben. Mitarbeitende müssen bereit sein, Verantwortung anzunehmen.
Kommunikation & Transparenz: Offene Informationen zu Strategien und Zielen schaffen Orientierung. Klare Antworten motivieren Teams.
Ergebnisorientierung & Feedback: Leistung wird nicht an Präsenz, sondern an Ergebnissen gemessen. Regelmäßiges Feedback unterstützt persönliche Entwicklung.
Authentische Führung bedeutet, Unternehmenswerte vorzuleben und Verlässlichkeit auszustrahlen.
Hybride Arbeit verändert die Kommunikation. Welche Rolle spielen digitale Tools?
Eine klare Kommunikationsstrategie ist essenziell. Regelmäßige virtuelle Meetings, Chats und Kollaborationstools halten den Informationsfluss aufrecht. Digitale Plattformen ermöglichen Zusammenarbeit über Standorte und Zeitzonen hinweg. Cloud-Lösungen sind unverzichtbar, um Daten verfügbar zu halten. Zur Projektsteuerung eignen sich Tools wie Microsoft Planner, Trello oder Jira; Backlogs helfen bei der Priorisierung.
Welche Trends prägen die Zukunft der Arbeitswelt?
Hybride Modelle werden zum Standard. Präsenz muss daher einen klaren Mehrwert bieten – etwa durch interaktive, zukunftsorientierte Meetings statt reiner Statusabfragen. Weitere Trends sind:
Verantwortungsbewusste Führung: Nachhaltigkeit, mentale Gesundheit und soziale Verantwortung gewinnen an Bedeutung.
Diversität & Inklusion: Unterschiedliche Perspektiven erhöhen Innovationskraft.
Agile Arbeitsräume: Flexible, ergonomische Arbeitsbereiche fördern fokussiertes und kollaboratives Arbeiten.
Ländliche Coworking Spaces: Moderne Arbeitsumgebungen entstehen zunehmend auch außerhalb der Städte.
Was empfehlen Sie Unternehmen, die ein neues Team in einem hybriden Arbeitsumfeld starten?
Vertrauen ist zentral. Offlinekontakte fördern nachweislich emotionales Vertrauen – daher sind Präsenztermine zum Start eines Projekts oder eines neuen Teams ideal. Für den weiteren Verlauf braucht es klare Leitplanken, aber auch Flexibilität: Führungskräfte müssen Teams sowohl online als auch offline gut begleiten können.
Am Ende gilt: Es gibt keinen Königsweg. New Work ist ein Lernprozess. Wichtig ist, mutig zu starten, Erfahrungen zu sammeln und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Cornelia von Hardenberg ist Beraterin für Organisation, Dialog und Transformation und Partnerin im Institut für Transformationsmanagement (iTM). Sie begleitet Unternehmen, Teams und Führungskräfte in Veränderungsprozessen und Innovationsvorhaben.
Ihre Ansprechpartnerin

„New Work ist kein Buzzword – es ist die Kunst, Menschen und Aufgaben in Balance zu bringen. Wer Vertrauen ernst meint, entfesselt echte Zusammenarbeit.“
Christina Heinickel
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