Bürgerbeteiligung 2020 – Desaster oder Chance?

Durch Kontaktbeschränkungen stehen viele Beteiligungsverfahren derzeit still. Muss das sein?

Analog oder digital?: 3 Tipps für Bürgerbeteiligung 2020

Wird 2020 ein verlorenes Jahr für die Bürgerbeteiligung? 

Die aktuelle Corona-Pandemie hat viele Bereiche des Alltags und des öffentlichen Lebens durcheinandergewirbelt. Durch Kontaktbeschränkungen fallen Veranstaltungen im großen Rahmen ins Wasser. Bürgerbeteiligungsverfahren können momentan nicht umgesetzt werden. Wie viele laufende Genehmigungsverfahren weiter gehen können, ist unklar. Das Berlin Institut für Partizipation hat 1.700 Akteure befragt, wie sie das Jahr 2020 für die Beteiligung bewerten. Fazit: 2020 könnte ein verlorenes Jahr für die Bürgerbeteiligung werden. Denn allein auf digitale Formate umzusteigen, funktioniere nicht. Viele Befragte wünschen sich einen unmittelbaren persönlichen Diskurs und wollen auf Diskussionen und Austausch von Angesicht zu Angesicht nicht verzichten – auch wenn es unter strengen Hygieneauflagen sein muss. 

Herausforderungen für Online-Beteiligungsformate auf unterschiedlichen Ebenen 

Viele unserer Kunden stehen vor diesen Herausforderungen: Wie kann Bürgerbeteiligung in Corona-Zeiten am Leben gehalten werden? Welche Chancen bringen Online-Alternativen mit sich? Was gilt es, bei der Planung von Corona-konformen Veranstaltungen und Alternativ-Formaten im Internet zu beachten? 

Drei Tipps für Bürgerbeteiligung in Corona-Zeiten

  1. So viel digital wie möglich, so viel analog wie nötig – in manchen Fällen sind Vor-Ort-Veranstaltungen nicht durch Online-Formate zu ersetzen
    Derzeit geht der Trend dahin, jede Veranstaltung als Online-Format zu organisieren. Das muss aber nicht immer die beste Lösung sein: In manchen Situationen ist die Vor-Ort-Veranstaltung – natürlich mit strengen Hygienekonzepten – nach wie vor die bessere Wahl. Dies ist insbesondere der Fall, wenn es bei der zu planenden Veranstaltung um den Erstkontakt mit den betroffenen Bürgern geht. Hier ist der persönliche Kontakt durch kein Online-Tool der Welt gleichwertig zu ersetzen.
    Ein Online-Format hat andere Anforderungen an Barrierefreiheit als ein Termin vor Ort. Manche ältere Menschen sind mit der Internetnutzung nicht so vertraut, dass sie an einer Online-Veranstaltung problemlos teilnehmen können. Wenn viele ältere Menschen in der Zielgruppe sind, ist zu bedenken, ob mit einer Online-Beteiligung nicht viele Stimmen auf der Strecke bleiben.
    Es gilt im Einzelfall abzuwägen: Kann ein Online-Format auch das, was ein Treffen vor Ort bietet? Oder möchten sich die Teilnehmer in die Augen schauen können? 
  2. Es gibt nicht das Online-Tool, das alles kann – je nach Format, Zielgruppe und Anforderung sind angepasste Lösungen nötig
    Die eierlegende Wollmilchsau als Online-Tool, das ohne weitere Planung oder Anpassung für jedes Online-Format eingesetzt werden kann, gibt es nicht. Deswegen ist es wichtig, sich im Vorfeld genau zu überlegen, was das Tool leisten muss: 
    Ist eine Präsentation geplant oder eine offene Diskussionsrunde? Soll der direkte Austausch mit den Bürgern in Einzelgesprächen hergestellt werden, bei denen individuelle und vertrauliche Dokumente besprochen werden? Oder geht es um einen Workshop, bei dem sich die Teilnehmer zu unterschiedlichen Zeitpunkten in verschiedenen kleinen Runden treffen sollen? 
    Daher gilt: Zuerst Format, Zielgruppe und Anforderungen klären, dann aus der Fülle an Online-Tools das passende auswählen und vor der Anwendung testen. 
  3. Gekommen, um zu bleiben – Online-Tools als sinnvolle Ergänzung bzw. sinnvoller Ersatz in Post-Corona-Zeiten 
    Wenn Veranstaltungen vor Ort bald wieder möglich sind, muss das nicht das Ende von Online-Tools zur Bürgerbeteiligung sein – im Gegenteil. Die Erfahrungen, die jetzt damit gesammelt werden, werden die klassische Bürgerbeteiligung durch Online-Tools langfristig ergänzen und bereichern. Die Online-Formate erleben jetzt ihre Bewährungsprobe, Veranstalter, Behörden, Vorhabenträger und viele mehr lernen in diesen Wochen ein neues Terrain kennen, das viele Vorteile mit sich bringen kann. Wir hoffen, dass sie es auch lieben lernen. Denn wenn sich Online-Formate jetzt bewähren, können sie auch in Zukunft dauerhaft angeboten werden. 

Bürger wollen und sollen sich auch während der Kontaktbeschränkung in die Planung von Projekten, die ihre Umwelt betreffen, einbringen. Statt das Jahr 2020 bereits jetzt als verlorenes Jahr für die Beteiligung zu erklären, sehen wir Chancen und Möglichkeiten für neue Perspektiven und Instrumente, die den Weg in die Zukunft weisen.

Ihr Ansprechpartner

Fabian Herbst

Fabian Herbst
+49 911 530 63-121
fhe[at]kaltwasser.de

2020 wird kein verlorenes Jahr

für die Bürgerbeteiligung. Es ist ein Jahr des Lernens, in dem viele neue Wege beschritten und für die Zukunft geebnet werden.“