Drei Tipps für eine breitere Beteiligung

Wie können wir Bevölkerungsgruppen, die normalerweise nicht zu Wort kommen, zielgruppengerecht in Beteiligungsprojekte einbinden? Drei Tipps für mehr Partizipation.

Die Integration „stiller Gruppen” in der Bürgerkommunikation - 3 Tipps für mehr Partizipation

Planungsvorhaben sowie Informations- und Dialogveranstaltungen zu Infrastrukturprojekten zeigen meist das gleiche Bild: Die ohnehin Aktiven, formal Gebildeten, sozial eingebundenen und höheren Altersgruppen sind meist überrepräsentiert. Es sollten aber auch die Interessen, Meinungen und Ideen jener abgebildet werden, die weniger gesellschaftlich vernetzt sind oder ihre Stimme selten bis gar nicht erheben. Diese sogenannten „stillen Gruppen” einzubinden und ihnen Gehör zu verschaffen, ist die herausfordernde Aufgabe von Kommunikator:innen, die den Bürgerdialog initiieren. Nur wer auf die Bedürfnisse möglichst aller eingeht, schafft attraktive Lebensräume für die ganze Gemeinschaft.

„Bürgernähe“ und „Kommunikation auf Augenhöhe“ sind Begriffe, die oftmals in diesem Zusammenhang genannt werden. Inhalte und Formate sollten so angepasst werden, dass sie wirklich „nahbar“ sind und sich alle mitgenommen fühlen, ohne einen Blick von oben herab.

Wir beleuchten, wie „stille Gruppen” zielgruppengerecht am Gestalten Ihrer Umwelt teilhaben können und was Kommunikator:innen bei Beteiligungsprozessen beachten sollten.

3 Tipps für die Integration „stiller Gruppen”
 

  1. Die “richtige” (An-) Sprache

    Verwenden Sie eine einfache Sprache und geläufige Wörter. Schreiben und sprechen Sie in kurzen Sätzen. Fokussieren Sie sich auf die Kernbotschaften. Viele zusätzliche Informationen können auch im späteren Verlauf der Beteiligung oder auf Nachfrage geliefert werden.
    Erklären Sie Fremd- und Fachwörter, wenn Sie diese nicht vermeiden können. Verdeutlichen Sie abstrakte Vorgänge durch Beispiele. Schreiben und reden Sie aktiv und lebendig anstatt bürokratisch und formal. Und nicht zu vergessen: Sprechen Sie Ihre Adressaten persönlich an, um Ihrem Publikum bewusst zu machen, dass das Bürgerinteresse am Projekt von hoher Bedeutung ist. Es geht um Wertschätzung und um die Mitgestaltung der persönlichen Umwelt.
     
  2. Das passende Format

    Nutzen Sie die volle Bandbreite verfügbarer Beteiligungsformate. Vermeiden Sie auch bei Veranstaltungen, in denen Sie vorrangig Informationen vermitteln wollen einseitige Monologe und ausschweifende Powerpoint-Präsentationen. Wir empfehlen Dialoge statt Monologe, denn Teilnehmer:innen haben fast immer ein großes Bedürfnis sich auszutauschen und ihre Meinung kundzutun.

    Nutzen Sie die Chance zum Dialog und Vertrauensaufbau! Nicht jede:r möchte dies jedoch in großer Runde tun. Besonders Mitglieder “stiller Gruppen” brauchen Raum für individuelle Gespräche. Manche Besucher:innen verschriftlichen Ihre Ideen und Meinungen lieber – stellen Sie Stellwände auf, wo diese Gedanken gesammelt und transparent gemacht werden können.

    Setzen Sie bei Dialogveranstaltungen zudem auf kleinformatige Angebote. Kleingruppenarbeiten ermöglichen auch „stillere Menschen“ besser einzubinden, ihre Meinung zu äußern und gehört zu werden. Vermischen Sie die Gruppen, um einen heterogenen Meinungsaustausch zu fördern und gegenseitiges Lernen zu ermöglichen.

    Wählen Sie vielfältige Konsultationsmethoden. Neben den standardmäßigen schriftlichen Stellungnahmen und Wortmeldungen können Formate mit Methoden wie Storytelling, Mental Mapping, Lego® Serious Play, Projekt-Spaziergängen und O-Ton-Aufnahmen bereichert werden, die unterschiedliche Bevölkerungsgruppen ansprechen und zu Wort kommen lassen.
     
  3. Die durchdachte Logistik

    Wählen Sie einen passenden Veranstaltungsort. Vermeiden Sie “online communication only” wenn möglich, denn viele Mitglieder der “stillen Gruppe” sind weniger tech- und web-affin oder haben keinen Zugriff zum nötigen Equipment. Wenn Sie auf webbasierte Kommunikation zurückgreifen müssen, wählen Sie möglichst nutzerfreundliche, niederschwellige Plattformen.

    Analoge Kommunikation und Beteiligung zu lokalen Projekten sollte möglichst nah am Projektstandort durchgeführt werden, während regionale und überregionale Themen weniger standortgebunden sind.

    Variieren Sie den Zeitraum für die Konsultation: während ältere Menschen Beteiligungsformate oftmals lieber tagsüber besuchen, sind Berufstätige eher in den Abendstunden verfügbar. Suchen Sie barrierearme oder -freie Veranstaltungsorte. Heißen Sie Besucher:innen gleich am Eingang willkommen und führen so Interessierte in die Themengebiete ein. Besonders “stille Gruppen” brauchen eine persönliche Ansprache und eine:n verlässliche:n Ansprechpartner:in vor Ort.

    Aufgelockerte Sitzreihen oder Tischgruppen ermöglichen Dialoge und fördern den Austausch untereinander. Vermeiden Sie das „wir” und „ihr” Gefühl, indem Sie erhöht vom Podium referieren, sondern schaffen Sie Formate und eine Veranstaltungslogistik, in denen Sie auf Augenhöhe und persönlich mit Ihren Teilnehmer:innen ins Gespräch kommen können. Ermöglichen und fördern Sie Nachbarschaftsdialoge untereinander, so dass besonders „stille Gruppen” die Möglichkeit haben, sich auf lokaler Ebene zu vernetzen. Ein kleines Catering-Angebot lockt oftmals zusätzlich Gäste und unterstützt das Gefühl der Wertschätzung.

    Kurz gesagt: Zeigen Sie sich bürger:innennah, wertschätzend und präsent. Denken Sie lokal anstatt regional, informal anstatt formal. Setzen Sie auf Stetigkeit anstelle von ad-hoc-Veranstaltungen. Begleiten Sie Ihre Teilnehmer:innen durch den gesamten Planungsprozess und nehmen Sie auch die Stillen unter den Teilnehmer:innen als wertvolle Wissens- und Informationsquelle wahr.

    Ein gutes Gelingen für Ihre nächste Beteiligungsveranstaltung wünscht Ihnen Ihr Kaltwasser-Bürgerkommunikations-Team.

Ihre Ansprechpartnerin

Katharina Hübl

Katharina Hübl
+49 911 530 63-112
khu[at]kaltwasser.de

Wer „stille Gruppen“ in Beteiligungsprozessen willkommen heißt,

profitiert von den überaus wertvollen alltäglichen Erfahrungen dieser Gruppe für Planungsvorhaben.“